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Kinderklau - der ganz normale |
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Während Timos Zwangsunterbringung im Kinder- und Jugenddorf Klinge im baden-württembergischen Seckach durften wir ca. 1 mal im Monat inklusive einer Übernachtung da runter zu fahren.
Je nach Verbindung waren das pro Fahrt Kosten in Höhe von bis zu 200 Euro für´s Bahnticket + rund 50 Euro für die Übernachtung in den Besucherappartements.
Trotz des beim Jugendamt Essen erstrittenen ICE-Tickets waren wir durchaus auch mal 8-10 Stunden pro Weg unterwegs - bei Wind und Wetter und natürlich auch bei Krankheit. Die vielen Bahnfahrten hatten zur Folge, dass wir eigentlich ständig krank waren. Aber es war klar, könnten wir unsere Reise zu Timo nicht antreten, wäre ein Umgang zu ihm nicht möglich gewesen. So fuhren wir die ca. 16-20 Bahnstunden pro Umgangskontakt selbst mit Grippe, Magen-Darm-Grippe und auch mit Bindehautentzündung.
Dem Jugendamt war es völlig egal, wie ich mit zwei Kleinkindern, die beide noch auf Kinderwagen angewiesen waren, diese Strecke allein mit Kindern und Kampfgepäck bewältigen sollte. Großzügig bot man mir an, die beiden kleinen Geschwisterkinder in einer Bereitschaftspflegefamilie unterzubringen - eine andere Hilfsmöglichkeit sah man im Essener Jugendamt nicht.
Dieses grandiose Hilfsangebot lehnte ich verständlicherweise ab und so machte Not eben erfinderisch. In den fast 2 Jahren sind meine Kinder Profi-Bahnfahrer geworden.
Im Kaff Seckach angekommen, war es dann auch schon mal Glückssache, wie wir vom Bahnhof hoch auf den Berg in das Kinder- und Jugenddorf kamen. Denn ein Fußmarsch mit gebrochenem Fuß, 2 noch nicht allein laufenden Kindern und den Unmengen an Gepäck war schlicht und ergreifend nicht möglich, und ein Taxiunternehmen vor Ort gab es natürlich auch nicht.

